Borgo Medievale
- museum
- old-town
- Preis: 5 € - 7 € (Festung)
- Öffnungszeiten: Gelände täglich 09:00 - 20:00 Uhr; Festung Di-So 09:00 - 19:00 Uhr
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Geschichte
Turin errichtete das Borgo nicht als Kulisse für eine Ausstellung, sondern als ernsthafte historische Rekonstruktion. Als die Stadt 1884 die Italienische Generalausstellung ausrichtete, schwärmten Architekten und Historiker durch das Piemont und das Aostatal aus, vermaßen und zeichneten echte Häuser, Werkstätten, Portale und Zierdetails aus Dörfern und Burgen — manche davon bereits im Verfall begriffen. Was im Parco del Valentino entstand, ist ein zusammengesetztes Dorf — kein einzelner Ort gleicht ihm genau —, doch jede Mauer, jeder Balkon und jeder geschnitzte Balken wurde nach einem echten Vorbild irgendwo in der Region kopiert. In seiner Mitte erhebt sich die Rocca, ein befestigtes Herrenhaus nach dem Vorbild alpiner Burgen des Aostatals, dessen Räume mit sorgfältig rekonstruierten Möbeln, Wandteppichen und Waffen aus der Epoche ausgestattet sind.
Eigentlich sollte das Borgo nach Ende der Ausstellung wieder abgebaut werden, wie der Rest des temporären Messegeländes drumherum — doch die Turiner schlossen es so ins Herz, dass die Stadt beschloss, es dauerhaft zu erhalten: ein seltener Fall einer "temporären" Ausstellungsarchitektur des 19. Jahrhunderts, die die Messe, für die sie gebaut wurde, um mehr als ein Jahrhundert überdauert hat. In den gepflasterten Gassen stellen Handwerksbetriebe bis heute Keramik, gewebte Textilien und geschmiedetes Eisen her, ganz so, wie man es sich im mittelalterlichen Dorf vorstellt, das das Borgo nachbildet. Eine mehrjährige, mehrere Millionen Euro teure Restaurierung des gesamten Komplexes ist vor kurzem abgeschlossen worden, wodurch Häuser und die Räumlichkeiten des historischen Café San Giorgio wieder für Besucher geöffnet sind.
Wussten Sie schon?
Weil das Borgo aus echten architektonischen Fragmenten und originalgetreuen Kopien zusammengesetzt wurde und nicht frei erfunden ist, gilt es unter Historikern bis heute als verlässliche Referenz für piemontesische Bautraditionen des 15. Jahrhunderts — eine "Rekonstruktion", die ernst genug genommen wird, um wissenschaftlich untersucht zu werden, nicht nur besichtigt.
Auch der Garten der Rocca ist eine kleine historische Rekonstruktion für sich: Er wurde nach dem bepflanzt, was Botaniker und Historiker über einen echten piemontesischen Garten des 15. Jahrhunderts ermitteln konnten, bis hin zur Wahl der Pflanzenarten — statt ihn einfach im allgemeinen "historisierenden" Stil anzulegen.
Gut zu wissen
Die Gassen des Dorfes und die Straßen mit den Werkstätten sind während der Öffnungszeiten frei zugänglich; nur für die Rocca, das befestigte Herrenhaus im Zentrum des Borgo, ist ein kostenpflichtiges Ticket nötig, um die eingerichteten Räume zu besichtigen.
Das Borgo liegt im Parco del Valentino, direkt am Po, und lässt sich daher gut mit einem Spaziergang am Fluss oder einem Abstecher in den botanischen Garten des Parks verbinden — wer beides sehen möchte, sollte etwas mehr Zeit einplanen.